6,5 Millionen für die Forschung zu digitalen Interventionen zum Schutz der psychischen Gesundheit gefährdeter Bürger in Europa

Die außerordentliche Professorin Annet Kleiboer (Klinische Psychologie) und ihre Kolleginnen und Kollegen der Vrije Universiteit Amsterdam (VU Amsterdam) haben im Rahmen des EU-Programms „Horizon Europe“ Fördermittel erhalten, um die Auswirkungen eines digitalen Selbstmanagement-Unterstützungssystems zu untersuchen. Ziel des Systems ist es, die Resilienz zu stärken und gefährdete europäische Bürgerinnen und Bürger in Zeiten des Wandels besser zu vernetzen. Das Projekt mit dem Titel „RECONNECTED“ wird dieses neue Modell der gemeindenahen Betreuung in gefährdeten lokalen Gemeinschaften in neun europäischen Ländern einführen.

Gesellschaftliche Herausforderungen und eine sich verändernde Bevölkerung

Europa befindet sich im Wandel aufgrund einer sich verändernden Bevölkerung infolge von Migrationsströmen, Urbanisierung und Alterung sowie mehrerer globaler gesellschaftlicher Herausforderungen wie Digitalisierung, Klimawandel und dem Krieg in der Ukraine, die das Sicherheitsgefühl und das Wohlbefinden der europäischen Bürger bedrohen.

Diese Veränderungen bringen neue Möglichkeiten mit sich, wie zum Beispiel Flexibilität in Arbeit und Lernen, aber auch kognitive und emotionale Herausforderungen, darunter Informations- und Vernetzungsüberlastung im Zusammenhang mit dem städtischen Leben und der Digitalisierung, Sorgen um die Zukunft im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels sowie Identitätsprobleme, die beispielsweise durch die Nutzung sozialer Medien oder Migration ausgelöst werden.

Kleiboer: „Verschiedene Bevölkerungsgruppen haben Schwierigkeiten, sich an diese Veränderungen anzupassen, wodurch sie einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, psychische Probleme zu entwickeln. Studien legen nahe, dass die psychische Gesundheit mehrerer marginalisierter und schutzbedürftiger Bürger in Europa, wie beispielsweise Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status, Migranten, Jugendliche und ältere Menschen, am stärksten von diesen Entwicklungen betroffen ist.“

Eine komplexe Systemperspektive

Das Projekt RECONNECTED erkennt an, dass diese Entwicklungen die europäischen Bürgerinnen und Bürger je nach Lebensphase, persönlichen Merkmalen sowie sozialen und umweltbedingten Gegebenheiten unterschiedlich betreffen. Die psychische Gesundheit junger Menschen wird beispielsweise stärker durch die Nutzung sozialer Medien und die ständige Vernetzung beeinträchtigt. Der geografische Standort kann im Hinblick auf die Bedrohungen durch den Klimawandel eine Rolle spielen, während der Krieg in der Ukraine vor allem die Länder in unmittelbarer Nähe betrifft, da er die Gefahr von Gewalt und den Zustrom von Flüchtlingen erhöht. 

Kleiboer: „Ein erstes Ziel des Projekts ist es, zu untersuchen, wie verschiedene gesellschaftliche, umweltbedingte, soziale und individuelle Merkmale interagieren und sich auf die psychische Gesundheit europäischer Bürger auswirken, und zwar aus einer komplexen Systemperspektive. Dies wird zu umsetzbaren Erkenntnissen für politische Entscheidungen führen.“

Digitale Lösungen zur Unterstützung lokaler Gemeinschaften

Digitale Lösungen für die psychische Gesundheitsversorgung bergen großes Potenzial und eignen sich für Präventionsmaßnahmen und die Stärkung der Bürgerbeteiligung. Dadurch werden psychische Gesundheitsversorgung und Prävention erschwinglich, zugänglich und sicher. Die meisten Europäer im Alter von 16 bis 74 Jahren haben Zugang zum Internet (92 % im Jahr 2021), und die Nutzung mobiler Geräte für den Internetzugang nimmt zu (Prognose: 89 % im Jahr 2028).

Im Rahmen von RECONNECTED wird das digitale Unterstützungssystem gemeinsam mit Interessengruppen entwickelt, um sicherzustellen, dass die lokalen Bedürfnisse der Nutzer in der Gemeinde erfüllt werden. Es wird in neun europäischen Ländern evaluiert, wobei sich die Zielgruppe an gefährdete Bürger richtet (Jugendliche, Migrantenbevölkerung, Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status, ältere Menschen). 

Kleiboer: „Dieses digitale Unterstützungssystem umfasst web- und mobilbasierte Interventionsinstrumente und ist speziell darauf ausgelegt, Stigmatisierung zu vermeiden und die Selbstbestimmung zu optimieren. Es zielt gleichzeitig auf die Förderung von Wissen über psychische Gesundheit, psychischer Widerstandsfähigkeit und sozialer Teilhabe ab, um den gesundheitlichen Nutzen zu maximieren. Das letztendliche Ziel ist, dass sich europäische Bürgerinnen und Bürger weniger stigmatisiert und ausgegrenzt fühlen, kompetent sind, ihre eigene psychische Gesundheit in Zeiten des Wandels zu managen und psychischen Problemen vorzubeugen.“

Partner

Ein Konsortium aus elf europäischen Partnern bündelt Erkenntnisse aus der klinischen und Entwicklungspsychologie, der Umwelt- und Sozialpsychiatrie sowie der Datenwissenschaft. An der VU Amsterdam sind die Abteilung für Klinische Psychologie (Annet Kleiboer und Heleen Riper) und die Abteilung für Informatik (Mark Hoogendoorn) beteiligt. Ein weiterer niederländischer Partner ist das Urban Mental Centre am Amsterdam Medical Centre-University of Amsterdam (Claudi Bockting, Reinout Wiers).