Psychische Gesundheit von Jugendlichen – über das Individuum hinaus
Kaum jemand hat die öffentliche Debatte über die Besorgnis um die psychische Gesundheit junger Menschen verpasst. Im August 2024 erklärte die Lancet Psychiatry Commission zur psychischen Gesundheit junger Menschen, dass die psychischen Erkrankungen junger Menschen eine gefährliche Phase erreicht hätten. Der Bericht der Kommission führte weiter aus, dass sich die psychische Gesundheit junger Menschen in den letzten zwei Jahrzehnten stetig verschlechtert habe, insbesondere infolge der jüngsten COVID-19-Pandemie. Mit anderen Worten: Forschung zur psychischen Gesundheit junger Menschen ist dringend erforderlich. Paradoxerweise machen jugendbezogene Forschungsprojekte jedoch nur 17,5 % der weltweiten Forschungsgelder für psychische Gesundheit aus.

Unser Forschungsteam freute sich daher sehr über die Teilnahme am EU-geförderten Horizon-Forschungsprojekt „Reconnected“. Dieses Projekt untersucht, wie sich wichtige globale Entwicklungen auf den Alltag und die psychische Gesundheit europäischer Bürger auswirken und bietet digitale Lösungen für neun besonders gefährdete Gemeinschaften an, um deren psychische Gesundheit zu schützen. Die Zielgruppe Finnland des Projekts „Reconnected“
Unsere Forschungsarbeit und klinischen Erfahrungen mit jungen Menschen zeichnen ein ähnliches Bild. Stress, Angst und Zukunftsunsicherheit sind nur allzu häufige Begriffe, mit denen junge Menschen ihre psychische Gesundheit beschreiben. Wichtige Interventionen, die als Reaktion auf diese Schwierigkeiten angeboten werden, konzentrieren sich oft auf die Emotionsregulation, die Veränderung von Denkmustern und Verhaltensweisen, Stressmanagement und Konfrontationstherapien. Und obwohl diese Ansätze wichtig sind, zeichnen sie wahrscheinlich kein vollständiges Bild. Die psychische Gesundheit junger Menschen existiert nicht isoliert. Sie wird geprägt von ihrem Alltag, ihren Beziehungen und den übergeordneten gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen.
Familiäre Beziehungen können für junge Menschen in dieser kritischen und verletzlichen Lebensphase eine große Stütze sein, aber auch Stress verursachen. Das Schulumfeld kann das Lernen fördern und Orte wichtiger Freundschaften sein, aber es kann auch ein Ort sein, an dem junge Menschen Mobbing und sozialer Isolation ausgesetzt sind. Soziale Medien können ein Zugehörigkeitsgefühl und gegenseitige Unterstützung stärken, aber sie können junge Menschen auch Vergleichen, Konkurrenzdenken und schädlichen Inhalten aussetzen.
Auch junge Menschen sind sich der wirtschaftlichen Realitäten, Ungleichheiten, Arbeitslosigkeit, politischen Polarisierung und Kriege bewusst. Diese Faktoren spielen eine große Rolle, wenn sie Entscheidungen über ihr zukünftiges Studium und ihre berufliche Laufbahn treffen und wenn sie sich vorstellen, welche Zukunft ihnen offenstehen könnte.

Besonders interessant am Forschungsprojekt „Reconnected“ finden wir, dass es genau jene sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen berücksichtigt, die eine wichtige Rolle für die psychische Gesundheit der Bevölkerung spielen. Es hilft uns, mögliche Muster in der psychischen Gesundheit der Bevölkerung aufzudecken, die auf individueller Ebene allein nicht sichtbar sind. Mit einem umfassenderen Verständnis der Faktoren, die mit der psychischen Gesundheit junger Menschen zusammenhängen, können wir bessere Interventionen zur Förderung des psychischen Wohlbefindens entwickeln.
Im Projekt „Reconnected“ werden bei der Entwicklung des digitalen Unterstützungssystems nicht nur individuelle, sondern auch soziale Faktoren berücksichtigt. Es enthält beispielsweise Elemente, die die soziale Teilhabe und die Qualität der sozialen Unterstützungssysteme verbessern sollen, was zu einem umfassenderen Ansatz für die Förderung des psychischen Wohlbefindens junger Menschen beitragen kann.
„Persönlich empfinde ich die Teilnahme an solchen Forschungsprojekten, die potenziell positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit junger Menschen haben können, als besonders bereichernd, und ich freue mich natürlich immer über Investitionen in die Forschung zur psychischen Gesundheit junger Menschen. Ich sehe darin eine großartige Investition in unsere Zukunft!“

Autorin: Minja Westerlund
McGorry, P., Mei, C., Dalal, N., et al. (2024). Die Lancet Psychiatry Kommission zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen. The Lancet Psychiatry, 11, 731–774.
Stoyanova, R., & Woelbert, E. (6. Mai 2026). Kartierung der Forschungsförderung im Bereich psychische Gesundheit über ein Jahrzehnt. IAMHRF. https://doi.org/10.6084/m9.figshare.32051778
