Verbindung von Forschung und Praxis: Die Fondation FondaMental im Projekt ReConnected

Seit dem Start des Projekts RECONNECTED im Jahr 2023 ist die Fondation FondaMental einer der Projektpartner. Das europäische Forschungsprojekt untersucht, wie gesellschaftliche Veränderungen das psychische Wohlbefinden beeinflussen, und entwickelt eine digitale Unterstützungsplattform für gefährdete Bevölkerungsgruppen. Dieser Artikel beleuchtet, wie das Projekt mit der langjährigen Arbeit der Fondation in der Forschung und Innovation im Bereich psychische Gesundheit übereinstimmt.

Das ReConnected-Projekt

ReConnected ist ein Forschungsprojekt, das von Horizon Europe, dem Forschungsprogramm der Europäischen Union, finanziert wird. Es vereint elf Partnerinstitutionen aus den Bereichen klinische und Entwicklungspsychologie, Umwelt- und Sozialpsychiatrie, digitale psychische Gesundheit und Datenwissenschaft.

Das Projekt basiert auf der These: Die heutigen gesellschaftlichen Veränderungen (Klimawandel, Digitalisierung, Konflikte, Migration, alternde Bevölkerung) können das psychische Wohlbefinden der Menschen in ganz Europa beeinträchtigen, jedoch nicht für alle gleichermaßen. Wie Menschen diese Veränderungen erleben, hängt von vielen Faktoren ab, darunter ihre Lebensbedingungen, ihr Alter, ihr soziales Umfeld, der Zugang zu Unterstützung und ihr Wohnort.

Um diese Unterschiede besser zu verstehen, untersucht ReConnected, wie verschiedene Faktoren zusammenwirken und die psychische Gesundheit beeinflussen. Dazu gehören individuelle Faktoren wie persönliche Merkmale und Erfahrungen, aber auch weiterreichende soziale, umweltbedingte und gesellschaftliche Einflüsse. Dieser Ansatz hilft Forschern, über die Betrachtung einzelner Ursachen hinauszugehen und stattdessen die komplexen Realitäten zu berücksichtigen, die das psychische Wohlbefinden von Menschen beeinflussen.

Auf dieser Grundlage entwickelt und testet das Projekt digitale Werkzeuge, die nicht stigmatisierend und benutzerfreundlich gestaltet sind. Diese Werkzeuge richten sich an neun vulnerable Gruppen in verschiedenen europäischen Ländern und sind jeweils an den lokalen Kontext angepasst. In Frankreich konzentriert sich das Projekt auf Erwachsene, die in sozioökonomisch benachteiligten Gebieten leben.

Fondation FondaMental: Förderung der Forschung im Bereich psychische Gesundheit

Die Fondation FondaMental wurde 2007 auf Initiative des Ministeriums für Hochschulbildung und Forschung gegründet, um die Forschung zu schweren psychischen Erkrankungen (Schizophrenie, bipolare Störungen, therapieresistente Depression, Autismus-Spektrum-Störung ohne geistige Behinderung) durch den Aufbau von Kooperationen zwischen Krankenhäusern und Forschungslaboren zu beschleunigen.

Seitdem hat die Stiftung ihre Aufgabenbereiche erweitert und arbeitet mit zahlreichen Partnern zusammen. Heute ist sie in vier Hauptbereichen tätig:

  • Förderung der Forschung: Die Stiftung arbeitet mit zahlreichen Partnern und Forschungsteams in Frankreich, Europa und international zusammen, um die psychiatrische Forschung voranzutreiben und unser Verständnis von psychischer Gesundheit und psychischen Erkrankungen zu vertiefen.
  • Bereitstellung von Instrumenten für Kliniker und Forscher: Die Stiftung bietet eine Reihe von Instrumenten, Schulungen, Konferenzen und Unterstützung innerhalb eines professionellen Netzwerks, um die Forschung in der Psychiatrie zu stärken.
  • Unterstützung von Patienten und Pflegekräften: Seit den 2010er Jahren hat die Stiftung ein landesweites Netzwerk von Expertenzentren aufgebaut, das Patienten Zugang zu präzisen und strukturierten Diagnoseverfahren bietet.
  • Sensibilisierung für das Thema psychische Erkrankungen und Abbau von Vorurteilen: Mithilfe ihrer Website, digitaler Plattformen, sozialer Medien und regelmäßiger Kommunikation setzt sich die Stiftung dafür ein, Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen zu bekämpfen und die Stigmatisierung zu verringern.

Wo sich das ReConnected-Projekt und die Stiftung treffen

ReConnected überschneidet sich mit mehreren Bereichen, in denen die Stiftung bereits tätig ist. Die deutlichste Verbindung sind digitale Werkzeuge: Beide nutzen sie, um Problemen vorzubeugen und Menschen zu unterstützen.

Werkzeuge an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten

Das Projekt ReConnected konzentriert sich darauf, das psychische Wohlbefinden gefährdeter Bevölkerungsgruppen zu verstehen und zu verbessern. In Frankreich richtet sich die Zielgruppe an Menschen aus sozial benachteiligten Gebieten. Dies entspricht einem Ansatz, den die Fondation bereits mit ihrem eigenen digitalen Ökosystem verfolgt hat. Dieses umfasst Plattformen und Anwendungen, die jeweils für eine spezifische Zielgruppe entwickelt wurden: My-Mood (MyMood | Le Hub de Ressources santé mentale pour les Jeunes.) für 15- bis 25-Jährige, LENA (Nous connaitre — LENA) für die psychische Gesundheit im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt, MiaMental (MIAMENTAL) für die psychische Gesundheit von Frauen in allen Lebensphasen und SIMPLe+ (Actualités | Fondation FondaMental) für Menschen mit bipolarer Störung, um nur einige zu nennen. Die zugrunde liegende Logik ist dieselbe wie bei ReConnected: Ein generisches Tool wird einer spezifischen Bevölkerungsgruppe selten gerecht, daher muss der Ausgangspunkt die Bevölkerung selbst sein.

Auf eine sich verändernde Welt reagieren

Die zentrale Idee von ReConnected, dass tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen die psychische Gesundheit beeinflussen, musste die Stiftung bereits in der Praxis umsetzen. Als Russlands Invasion in der Ukraine viele Menschen nach Frankreich vertrieb, startete die Stiftung „Écoute Psy Ukraine“ (Plateforme Écoute Psy UKRAINE)mit ukrainischsprachigen Ressourcen, um Vertriebenen, vorwiegend Frauen und Kindern, zu helfen, traumabedingte psychische Probleme zu verstehen und zu bewältigen. Eine ähnliche Plattform, „ Peace of MINDS.info“ (Plateforme Peace of Minds), wurde später geschaffen, um Menschen zu unterstützen, die vom Israel-Hamas-Konflikt betroffen waren. Beide Plattformen zeigen im Kleinen, was ReConnected in größerem Umfang erprobt: Plötzliche gesellschaftliche Umbrüche erfordern schnelle und zielgerichtete digitale Unterstützung.

Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften

ReConnected hat sich zum Ziel gesetzt, jede Intervention so präzise wie möglich auf die jeweilige Zielgruppe abzustimmen. Das französische Forschungsteam veranschaulicht diesen Ansatz gut. Es verfügt über Expertise in der Psychiatrie und der Forschung im Bereich psychische Gesundheit und arbeitet eng mit lokalen Fachkräften und gemeinnützigen Organisationen zusammen, die die Lebensrealität der Zielgruppe kennen. Diese Partnerschaft hilft dem Team, seine Forschung so realitätsnah wie möglich an die Bedürfnisse der untersuchten Bevölkerung anzupassen. Konkret prägt diese Zusammenarbeit die Arbeit des Teams in folgenden Punkten:

  • ein besseres Verständnis der Risikofaktoren, die diese Bevölkerungsgruppe tatsächlich betreffen, anstatt anzunehmen, dass sie die gleichen sind wie bei anderen Gruppen
  • Eine bessere Erkennung subklinischer Symptome, früher, leichter Anzeichen einer Erkrankung, die lokale Akteure aufgrund ihres regelmäßigen Kontakts mit der Bevölkerung gut erkennen können
  • und die Untersuchung von Umweltfaktoren durch Kooperationen wie die mit LISA (Laboratoire Interuniversitaire des Systèmes Atmosphériques), die es Forschern ermöglicht, psychische Gesundheitsergebnisse mit gemessenen Umwelteinflüssen anstatt mit Annahmen in Verbindung zu bringen.

Dieser Fokus auf die Umwelt spiegelt einen Grundgedanken von ReConnected wider: Die psychische Gesundheit wird nicht nur von individuellen oder biologischen Faktoren, sondern auch von dem Ort, an dem die Menschen leben, und den Einflüssen, denen sie ausgesetzt sind, geprägt.

Aufbauend auf gemeinsamer Expertise

Die Zusammenarbeit zwischen der Fondation FondaMental und ReConnected verdeutlicht ein Prinzip, nach dem beide Organisationen bereits arbeiten: Psychische Gesundheitsförderung ist effektiver, wenn sie auf eine spezifische Bevölkerungsgruppe zugeschnitten ist, anstatt als Einheitslösung konzipiert zu werden. Die Fondation bringt jahrelange Erfahrung mit bevölkerungsspezifischen digitalen Tools und einem landesweiten Netzwerk von Kompetenzzentren in diese Kooperation ein; ReConnected wiederum bettet diese Erfahrung in einen breiteren europäischen Vergleich mit neun vulnerablen Gruppen ein und prüft, ob dieser bevölkerungsspezifische Ansatz in sehr unterschiedlichen Kontexten und Ländern Bestand hat.

Über dieses spezielle Projekt hinaus verdeutlicht ReConnected einen umfassenderen Wandel in der psychischen Gesundheitsforschung: weg von generischen Interventionen hin zu Instrumenten, die an den jeweiligen Lebensumständen, den Belastungen und dem spezifischen Druck der Menschen angepasst sind. Da der gesellschaftliche Wandel das psychische Wohlbefinden in ganz Europa weiterhin prägt, dürfte diese Art von lokal verankerter, bevölkerungsspezifischer Forschung noch an Bedeutung gewinnen.